Planetary Health Check 2026: Bereits sieben von neun Grenzen stark überschritten
Die planetaren Grenzen beschreiben neun zentrale Prozesse des Erdsystems. Werden ihre sicheren Bereiche überschritten, steigt das Risiko, dass sich wichtige Systeme unseres Planeten dauerhaft verändern.
Der Planetary Health Check 2026 zeigt eine deutliche Entwicklung: Sieben der neun planetaren Grenzen liegen inzwischen außerhalb des sicheren Bereichs. Zuletzt wurde 2025 auch die Grenze für die Ozeanversauerung überschritten.
Betroffen sind damit Klimawandel, Integrität der Biosphäre, Veränderung der Landnutzung, Veränderung des Süßwasserkreislaufs, biogeochemische Kreisläufe, der Eintrag menschengemachter Substanzen und die Ozeanversauerung.
Nur bei der Ozonschicht und der globalen Aerosolbelastung der Atmosphäre hat sich die Situation im vergangenen Jahrzehnt verbessert. Bei den Aerosolen weist der Bericht allerdings darauf hin, dass die globale Entwicklung regionale Belastungen verdecken kann.
Ein Jahr der Extremereignisse verdeutlicht wachsende Risiken
Der Bericht stellt die Entwicklung der planetaren Grenzen in Zusammenhang mit zahlreichen Extremereignissen an Land und in den Ozeanen. Wie schwer deren Folgen ausfallen, hängt nicht nur vom Klima ab, sondern auch vom Zustand der Ökosysteme, von Wasserverfügbarkeit, Landnutzung und den Möglichkeiten der Menschen, sich an Veränderungen anzupassen.
2025 waren in Pakistan mehr als 6,9 Millionen Menschen von Monsunüberschwemmungen betroffen. Gleichzeitig erreichte der Wärmgehalt der Ozeane einen neuen Höchststand.
Besonders deutlich zeigt sich die Belastung in den Meeren: Von Januar 2023 bis September 2025 waren rund 84,4 Prozent der weltweiten Korallenriff-Fläche Hitzestress ausgesetzt, der Korallenbleiche auslösen kann. Laut Bericht war dies das bislang größte weltweit beobachtete Ereignis dieser Art.
Auch Europa war von außergewöhnlichen Wetterbedingungen betroffen. 2026 erlebte Westeuropa den heißesten Juni und Juli seit Beginn der Aufzeichnungen. Gleichzeitig herrschte in Frankreich, Spanien, Deutschland und dem Vereinigten Königreich schwere Dürre. In Europa und Kanada kam es zu heftigen Waldbränden. Auch Japan, Südkorea und Teile des Nahen Ostens verzeichneten Rekordtemperaturen.
Die zentrale Botschaft des Berichts: Diese Entwicklungen sollten nicht als voneinander unabhängige Krisen betrachtet werden. Klima, Wasser, Ökosysteme, Land und Ozeane beeinflussen sich gegenseitig.
Natürliche Kohlenstoffsenken unter Druck
Eine besondere Rolle spielen natürliche Kohlenstoffsenken. Vegetation und Böden nehmen einen erheblichen Teil der vom Menschen verursachten CO₂-Emissionen auf.
Wiederholte Hitze, Dürren, Brände und geschädigte Ökosysteme können diese Aufnahme jedoch verringern. In einigen Regionen können sich Ökosysteme dadurch von CO₂-Senken zu CO₂-Quellen entwickeln.
Der Planetary Health Check untersucht deshalb auch, ob Modelle zur Kohlenstoffaufnahme an Land deren Widerstandsfähigkeit möglicherweise überschätzen. Das ist relevant, weil der Weg zu Netto-Null-Emissionen auch davon abhängt, dass natürliche Kohlenstoffsenken weiterhin funktionieren.
Warum die planetaren Grenzen zusammengehören
Die sieben überschrittenen Grenzen zeigen, dass Umweltveränderungen nicht isoliert voneinander betrachtet werden können. Der Verlust von Wäldern beeinflusst beispielsweise Klima und Wasserkreisläufe. Steigende Temperaturen wirken wiederum auf Ökosysteme und Ozeane.
Gleichzeitig zeigt die Entwicklung der Ozonschicht, dass eine Verbesserung möglich ist. Internationale Maßnahmen haben dazu beigetragen, den Druck auf dieses Erdsystem zu reduzieren.
Die Herausforderung besteht deshalb nicht nur darin, weitere Überschreitungen zu verhindern. Langfristig geht es darum, bereits überschrittene planetare Grenzen wieder in Richtung eines sicheren Bereichs zu bewegen.
Mehr erfahren
Planetary Health Check 2026
https://www.planetaryhealthcheck.org/
Originalpublikation: Planetary Boundaries Science (PBScience), 2026: Planetary Health Check 2026. Potsdam Institute for Climate Impact Research, Potsdam, Germany.






